"Mein Bauchgefühl war rückblickend richtig"

In einem sehr offenen und persönlichen Gespräch erzählt Mag. Georg Pfeiffer, Eigentümer der Pfeiffer-Gruppe, was Unimarkt heute erfolgreich macht – und warum die Wachstumsstrategie mit Zielpunkt scheiterte.




Mag. Georg Pfeiffer ist Eigentümer der Pfeiffer-Gruppe. Der Konzern bestand lange Zeit im Wesentlichen aus dem C&C-Geschäft und dem Lebensmittel-Einzelhandel. Im Jahr 2012 entschied die Pfeiffer-Gruppe, den Bereich Lebensmittel-Einzelhandel stark auszuweiten und erwarb Zielpunkt. Die Wachstumsstrategie scheiterte, Ende 2015 wurde für Zielpunkt ein Sanierungsverfahren beantragt. Zudem wurde das C&C-Geschäft sehr erfolgreich an Transgourmet aus der Schweiz verkauft. In der Pfeiffer-Gruppe verblieben Unimarkt sowie das Immobiliengeschäft.

Die Management Factory hat die Restrukturierung der Pfeiffer-Gruppe in den letzten Jahren begleitet und stellt derzeit mit Gerhard Wüest ein Aufsichtsratsmitglied bei Unimarkt. Gerhard Wüest, Geschäftsführer der Management Factory traf Mag. Georg Pfeiffer für dieses Interview zum Mittagessen im Restaurant des ehemaligen C&C-Pfeiffer-Marktes in Traun.

Gerhard Wüest:

Herr Pfeiffer, was waren jene drei Punkte, die Ihnen im Zusammenhang mit der Krise des Unternehmens am meisten in Erinnerung geblieben sind?

Georg Pfeiffer:

„Die Krise“ ist für mich die Zielpunkt-Insolvenz. Mein Bauchgefühl hat mir 2012, beim Einstieg in Zielpunkt, gesagt, ‚mache es nicht‘. Nach der Analyse und Strategieentwicklung hat die Logik gegen das Bauchgefühl gesiegt. Etwas, das sich später als Fehler erweisen sollte. Beim Fortbestand unserer erfolgreichen Lebensmittel-Einzelhandelskette Unimarkt war es genau umgekehrt: Viele Bekannte haben mir gesagt, dass Unimarkt nicht überlebensfähig sei. Mein Bauchgefühl hat mir aber gesagt, dass wir es schaffen werden. Das Bauchgefühl hat gesiegt und ich sollte Recht behalten: Die Unimarkt-Gruppe schreibt auch im zweiten Jahr nach der Zielpunkt-Insolvenz schöne Gewinne. Die Alternative wäre gewesen, den Unimarkt zu filetieren, weil aus kartellrechtlichen Gründen kein österreichischer Wettbewerber die Unimarkt-Gruppe als Ganzes hätte kaufen dürfen. Außerdem sind mir im Zusammenhang mit der angesprochenen „Krise“ unsere Mitarbeiter in Erinnerung. Dass sie trotz oder wegen der Krise unbeirrt weitergearbeitet haben oder sogar zu Höchstform aufgelaufen sind, hat mich besonders beeindruckt.

Krisenkommunikation entscheidend

Gerhard Wüest: Was würden Sie bei der Bewältigung der Krise heute anders machen?

Georg Pfeiffer: Ich würde sicher die Kommunikation anders wählen: Wir haben zu lange eine positive Grundstimmung verbreitet, die Zielpunkt-Insolvenz hat dann die Öffentlichkeit vollkommen überrascht. So sind wir ein Opfer der Medien geworden. Heute würde ich bereits in einer früheren Phase differenzierter kommunizieren.

Gerhard Wüest: Mit der Weisheit des Rückblickes: Wäre Zielpunkt überhaupt sanierbar gewesen?

Georg Pfeiffer: Ich glaube nicht. Der Investitionsrückstau in den Filialen war enorm und gegenüber den Wettbewerbern kaum aufholbar. Viele Eigentümer haben sich vor uns an der Zielpunkt-Sanierung versucht, geschafft hat es keiner. Zudem war aus meiner Sicht die Filialdichte in Ostösterreich zu hoch: Das kann man unter anderen daran erkennen, dass der Zielpunkt-Sanierungsverwalter nur etwa die Hälfte der rund 270 Filialen weitergeben konnte und die übrigen Filialen heute immer noch leer stehen.

Gerhard Wüest: Nun zu ihrer persönlichen Situation heute: Wie hat sich Ihr Tagesablauf verän-dert?

Georg Pfeiffer: Seit dem Verkauf von C&C Pfeiffer hat sich mein berufliches Leben schon stark verändert. Ich habe im Unternehmen kein Büro beziehungsweise keinen Schreibtisch mehr. Ich komme alle zwei bis drei Wochen, um mit der Unimarkt-Geschäftsführung die wichtigsten Punkte durchzusprechen. Ich habe sicher mehr Zeit bekommen, um Dinge außerhalb des Lebensmittelhandels zu machen: So bin ich stark in die Aktivitäten unserer Immobiliengesellschaft Eagle eingebunden, hier planen wir einige Developments in den kommenden Jahren.

Gerhard Wüest: Auffallend ist, dass hier im ehemaligen C&C-Pfeiffer-Lokal alle Menschen Sie nach wie vor freundlich grüßen, so als wären Sie weiterhin der Eigentümer des Unternehmens.

Georg Pfeiffer: Mir war es immer wichtig, dass ich durch den Verkauf des C&C nicht nur für mich eine Perspektive finde, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch wenn sich C&C Pfeiffer immer sehr gut entwickelt hat, hätte der Markteintritt von Transgourmet oder anderen internationalen Wettbewerbern das Geschäft von C&C Pfeiffer nachteilig beeinflusst. Durch den Verkauf an Transgourmet konnte ich der Gesellschaft und den Mitarbeitern eine tolle strategische Perspektive bieten.

Strategische klare Positionierung für Unimarkt

Gerhard Wüest: Wenn wir nochmals zu Unimarkt gehen: Worin besteht der Erfolg von Unimarkt?

Georg Pfeiffer: In den ersten zwölf Monaten nach der „harten“ Trennung von Zielpunkt galt es, das Vertrauen zu den wichtigsten Anspruchsgruppen wiederherzustellen, vor allem zu Lieferanten, Geschäftspartnern und Banken. Unimarkt hat ja im Gegensatz zu Zielpunkt nie negativ bilanziert, es gab auch früher immer positive Jahresergebnisse. Nach dieser Stabilisierungsphase positionieren wir Unimarkt jetzt strategisch noch klarer, als der größte regionale Partner im Lebensmitteleinzelhandel in Mittelösterreich. Dabei legen wir einen starken Fokus auf die Betreuung selbstständiger Kaufleute unter den Marken Unimarkt, Nah & Frisch und „Land lebt auf“.

Gerhard Wüest: Zum Abschluss: Worum ist es Ihnen bei der Sanierung Neuaufstellung der Pfeiffer-Gruppe gegangen?

Georg Pfeiffer: Am Ende des Tages um eine gute Perspektive für alle Unternehmensteile, vor allem eine nachhaltig überlebensfähige Unimarkt-Gruppe - und ein gutes Gewissen.

Gerhard Wüest: Herzlichen Dank für das Gespräch!


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