Interim Management Projekt des Jahres 2021:

Die Dachorganisation Österreichisches Interim Management (DÖIM) kürt ein umfassendes Restrukturierungsmandat von Mag. Christian Kniescheck, MBA zum „Interim Management Projekt des Jahres 2021“.

Die Restrukturierung des Kompressoren-Herstellers Secop in Fürstenfeld ist ein herausragendes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Interim Managern in der Krise. Das Unternehmen war aufgrund einer kartellrechtlichen Entscheidung der Europäischen Kommission an einen europäischen Investmentfonds verkauft worden und betrieb zum damaligen Zeitpunkt drei Werke in Österreich, der Slowakei und China. Christian Kniescheck wurde vom neuen Eigentümer als allein zeichnungsberechtigter Geschäftsführer der österreichischen Niederlassung eingesetzt. Zusätzlich arbeitete ein weiterer Mitarbeiter der Management Factory, Mag. Michael Geier, vier Monate lang als CFO der Secop Holding.



Der Auftrag bestand zunächst darin, das verlustträchtige vier Hektar große Werk in Fürstenfeld mit möglichst geringen Kosten zu schließen. Gleichzeitig mussten die bestehenden Kunden weiterhin mit rund 170.000 Kompressoren im Monat beliefert werden und es galt, einen „Produktionspuffer“ für die mehrmonatige Verlagerung einer Produktionslinie in die Slowakei vorzuproduzieren. Das heißt, die Unterstützung der österreichischen Beschäftigten war sehr wichtig, auch wenn diese aufgrund der Verlagerung teilweise ihren Job verloren. Die Ankündigung der Produktionsverlagerung löste zunächst eine Schockwelle aus, die medial großen Niederschlag fand. Vor allem Ende 2019 gab es viel Widerstand, da Secop damals noch keinen Käufer für die andere Produktionslinie hatte, welche im Rahmen der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens nicht mehr benötigt wurde. Auch war noch kein Nachmieter für den Produktionsstandort in Fürstenfeld gefunden. Es kam zu zwei Warnstreiks, und noch vor Ausbruch der Corona Pandemie veranstalteten die ProGe und die GPA einen eindrucksvollen Solidaritätsmarsch quer durch Fürstenfeld.




 Die Management Factory konnte jedoch mit dem Managementteam und dem Eigentümer eine Lösung erarbeiten, die schlussendlich die meisten Beteiligten zufriedenstellte, und die im Jahr 2020 sukzessive umgesetzt wurde:

  • Secop richtete sich strategisch neu aus, ließ den defizitären Geschäftsbereich „Household“ auf und legte den Fokus auf die Wachstumsfelder „Light Commercial“ und „Mobile Cooling“.
  • Secop bündelte seine Produktion an zwei Standorten (Slowakei und China). 
  • In Österreich wurden der heimische Standort und 100 Arbeitsplätze durch einen Teilbetriebsverkauf an den Nidec Konzern erhalten, wobei Nidec bereits 2021 wieder auf 200 Mitarbeiter aufstockte. 
  • Das Forschungszentrum von Secop mit 40 MitarbeiterInnen übersiedelte nach Gleisdorf. 
  • Die Beschäftigten, die aufgrund der Verlagerung der zweiten Produktionslinie in die Slowakei ihren Arbeitsplatz verloren, erhielten Unterstützung durch einen Sozialplan und durch eine von Secop eingerichtete Arbeitsstiftung.

 

„Letztlich konnten wir ein Ergebnis erzielen, das monetär und emotional von den Eigentümern, dem Management, den Beschäftigten, dem ÖGB und der Politik als positiv bewertet wird. Die größte Herausforderung dabei war der intensive Austausch mit zahlreichen nationalen und internationalen Stakeholdern und die äußerst komplexe Projektstruktur mit in Summe 17 nationalen und internationalen Einzelprojekten“, erklärt Christian Kniescheck.




Was waren die Hauptursachen dafür, dass dieses Projekt trotz all dieser Emotionen zu einem Erfolg wurde? Erstens die eingesetzten Berater und Interim Manager. Der Eigentümer war bereit, massiv in Beratungsqualität und Management-Kapazität zu investieren, weil er dies als Einmalkosten ansah und für ihn das EBITDA nach der Restrukturierung zählte, also jenes ab 2021. Dadurch konnte Secop in nur einem Jahr trotz Covid-19 völlig neu aufgestellt werden und die Chancen, die sich während der Restrukturierung boten, wurden nicht nur identifiziert, sondern auch bewertet und genutzt.

Und es gibt einen zweiten Punkt, der Christian Kniescheck bei all den Gesprächen mit Mitarbeitern, Politikern, Interessensvertretern, Kunden, Lieferanten, Vermietern, Nachmietern, Betriebsräten und Gewerkschaftern immer wichtig war: „Jeder von uns hat im Berufsleben eine Rolle, im Fall von Secop eine bestimmte Rolle in einem großen krisenbedingten Veränderungsprozess, wo vieles lange im Unklaren war und wo vieles erst erarbeitet werden musste. Durch dieses Bewusstsein der unterschiedlichen Rollen, die alle ihre Legitimation hatten, war es möglich, wertschätzend zu bleiben und nicht untergriffig zu werden. Jeder konnte sich immer auch ein wenig in die Rolle des anderen versetzen, den anderen verstehen, und schlussendlich gelang es uns so, Lösungen zu erarbeiten, von denen alle etwas hatten, mit denen die meisten leben konnten und die dann letztendlich auch gut funktionierten.“

Secop ist nach der Restrukturierung nun ein sehr gut aufgestellter internationaler Konzern mit einer deutlich höheren Profitabilität. Die Umsetzung der strategische Neuausrichtung war äußerst erfolgreich, und die Management Factory durften dabei an vorderster Front mitarbeiten.

Gleichzeitig mit der Auszeichnung für das beste „Interim Management Projekt des Jahres 2021“ ehrt die DÖIM auch Gisela Kollmann als „Interim Managerin des Jahres 2021“ für herausragende Leistungen im HR-Management eines der größten Betreiber von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Wir gratulieren der Kollegin ganz herzlich! Die beiden Preise werden im Zuge der sechsten Konferenz für Interim Management verliehen, und zwar am 3. und 4. September 2021 in Salzburg.

https://döim.org/kim-2021/

 

 

 


Preisträger Mag. Christian Kniescheck, MBA




Nach seiner Ausbildung zum Master of Business Administration an der University of Delaware in den USA qualifizierte sich Christian Kniescheck auch als Certified Supervisory- und Certified Turnaround-Experte. Durch die Übernahme vielseitiger Managementfunktionen sowie zahlreiche Beratungsmandate entlang der Wertschöpfungskette verfügt der vielseitige und mehrsprachige Restrukturierungsexperte, der auch das Geschichte- und Philosophie-Studium abgeschlossen hatte, über mehr als 20 Jahre internationale Berufserfahrung.


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